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Künstlermonographie Sybille Will

11 Abb. S. 10 Spell aus der Serie Randfiguren 2012 Öl und Mischtechnik auf Canvas 130 x 75 cm Greensome aus der Serie Randfiguren 2009 Acryl auf Canvas 100 x 80 cm und Unfertigkeit der ursprünglichen Skizze, des Di- segno, erhalten. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch zeichnerische Elemente wie dunkle, schwarze Striche und unscharfe Ränder. Inspiriert war und ist die Künstlerin auch vom ästhetischen Prinzip  der japanischen Wabisabi-Lehre, wonach Schönheit im Flüchtigen, Vergänglichen und Unfertigen zu finden ist. Die blasse Farbigkeit, aber auch die Verletzlichkeit und Brüchigkeit der Figuren zeugen davon. Ihre Arbeiten fertigt Sibylle Will in Mischtechnik. Grundlage ist meist Acryl, das mit Ölfarben, Spray, Zeichnungen und Lasuren immer wieder überarbeitet wird. Nach der Grundierung der Leinwand entsteht zunächst die Figur. Korrekturen während des Malpro- zesses führen zu unsauberen Rändern, die − wie der gesamte Hintergrund − am Ende mit Weiß übermalt werden. Unübliche Materialkombinationen und Zwi- schenlacke verhindern eine homogene Verbindung der Farbschichten und führen oft zu Craquelé, ein maschenartiges Netz von Rissen auf der Bildober- fläche. Der Blick des Betrachters kann so leichter ins Bild hineindringen. Erleichtert wird dies auch durch die Auswahl an dezenten, verwässerten und durchlässigen Far- ben, die dazu auffordern, durch die vielen Schich- ten hindurchzusehen und tiefer liegende (Farb-) Ebenen wahrzunehmen. Das Betrachten der ­Bilder gleicht damit einer Reise zum Mittelpunkt des ­abgebildeten Wesens, aber auch zu sich selbst. Die Figur zeigt ihr Inneres, die Haut ist dünn und ver- letzbar. Das Auge nimmt den Prozess der vielen ­Farbaufträge als ­Hautschichten, Häutungen, Erlebtes wahr. ­Gleichzeitig geht man als Betrachter in sich, reflektiert das ­Gesehene und sucht nach ebensolchen Gefühlen und Erfahrungen in sich selbst. Ein Blick auf Sibylle Wills Bilder führt vor Augen, dass unser aller Leben vergänglich ist und weckt dadurch eine gewisse Melancholie. Die Farbpalette der Figuren wird von zarten Pastell- und kontrastreichen Schwarztönen beherrscht. Die sichtbaren Striche sind der Idee der Skizze im Bild nachempfunden und verweisen auf Unfertigkeit und Improvisation. Gelegentlich findet sich auch ein Bild mit Schwarz-Rot-Kontrasten oder kräftigen orangen oder gelben Linien. Sibylle Will dazu: „Man will als Künstler auch immer wieder sein eigenes ‚Regelwerk’ durchbrechen. Das ist wichtig, schon mal, damit es für einen selbst spannend bleibt.“ Für die Künstlerin spielt Vergänglichkeit eine große Rolle, nicht nur in Bezug auf (ihre) Kunst. Obwohl die menschliche Endlichkeit in den Medien allgegen- wärtig ist, bringen nur wenige diesen Umstand mit ihrem eigenen Leben in Zusammenhang. Ein Blick auf Sibylle Wills Bilder führt vor Augen, dass unser

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